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© Mehran Montazer

Ruhin Ashuftah

Biografie

 Als die ersten russischen Bomben auf Kabul fielen, dachte der 7-jährige Junge es sei ein Feuerwerk” – so beginnt ein Artikel in der ZEIT vom 23.12.2015 über einen jungen Mann, dessen Geschichte zu erzählen lohnt: Ruhin Ashuftah.

Auf der Flucht aus Afghanistan im Jahr 1988 sieht der Junge die ersten Toten und als er nach einer Odyssee von acht Monaten mit seiner Familie in Deutschland ankommt, wohnt er drei Jahre lang in einem Hamburger Asylbewerberheim. Sein Vater, ein Architekt und ehemals Mitglied der Kabuler Elite, schickt ihn zur Schule. Dort gilt er als Außenseiter, aber seine Lehrer glauben an ihn. Sie ermutigen ihn, nicht aufzugeben und auf das Gymnasium zu wechseln. Die Familie bekommt eine Wohnung in St. Georg. Der Vater arbeitet als Taxenunternehmer. Ruhin versucht sich zu fangen und beiden Gesellschaften gerecht zu werden indem er sich auf das Abitur vorbereitet, mit seinem Bruder Karate und Kickboxen lernt und sich durch Zeitungen austragen, Kellnern und Arbeit in einer Bäckerei Geld verdient.

“Viele Flüchtlinge bleiben im Drama des Asyls, dem Verlust der Heimat und dem Schrecken der Flucht gefangen”, sagt Ruhin. Er selbst habe 15 Jahre gebraucht, bis er in der hiesigen Gesellschaft wirklich angekommen sei. Es sei also elementar wichtig, den Menschen Zeit zu geben und er macht allen Mut, die sich sorgen, ob die Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland der Lage sind, so viele Menschen aufzunehmen: “Kriegsflüchtlinge ist die Gruppe, die sich am besten integrieren kann. Einem Land, das die Hilfesuchenden willkommen heißt, werden sie danken und seine Werte schützen.”

Im Jahr 2004 macht Ruhin Abitur. Als Glücksmoment empfindet er, dass sein Deutschlehrer ihm rät, zu studieren. Ruhin absolviert ein journalistisches und Sozial-Pädagogik-Studium und betreut parallel dazu minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, weil diese ihm besonders am Herzen liegen. Seine wichtigste Botschaft an diese jungen und überwiegend schwer traumatisierten Menschen: “Ihr seid zwar jetzt in Deutschland, aber ihr seid noch nicht angekommen. Wenn ihr bereit seid, etwas dafür zu tun, könnt ihr es schaffen und euch hier ein neues Leben aufbauen.” Für die Glaubwürdigkeit dieser Botschaft ist Ruhin selbst das beste Beispiel und ZDFinfo begleitet ihn bei seiner therapeutischen Arbeit in der Reportage “Neuanfang in Hamburg – vom Flüchtling zum Flüchtlingshelfer”.

Um sich auf diesen Weg immer besser zu qualifizieren, hat Ruhin Ashuftah 2014 in London ein Seminar für Gesprächstherapie und Verhaltenskonditionierung (NLP) erfolgreich abgeschlossen und arbeitet seitdem als Neuro-Linguistischer Therapeut für traumatisierte Flüchtlinge beim GRONE Netzwerk in Hamburg. Ruhin spricht fließend Deutsch, Englisch, Dari und Farsi, ist Dolmetscher beim LKA in Hamburg, beim Familiengericht und in Strafanstalten, war ein Jahr lang bei der NATO auf einer Militärbasis bei München und arbeitet jetzt daran, sein großes Ziel zu erreichen und gemeinsam mit Psychologen ein Trauma-Erststabilisierungs-Zentrum “TEZ“ für jugendliche Flüchtlinge in Hamburg aufzubauen. Bei diesem Projekt soll er sich um die Auswahl, Betreuung und Therapie von Flüchtlingen, Minderjährigen und Erwachsenen kümmern.

Und es gibt noch ein weiteres wichtiges Projekt: Ruhin schreibt ein Buch über sein Leben. Diese Arbeit macht ihn glücklich und er hofft, dass seine Geschichte nicht nur ein Beispiel für gelungene Integration ist, sondern den Menschen vermitteln kann, dass sie Flüchtlinge – losgelöst von Religion und Herkunft -, als ihres-gleichen ansehen und sie als “Schicksalsgetriebene” anerkennen. Wenn Ruhin Ashuftah das gelingt, hat er ein weiteres großes Ziel erreicht.

Projekte

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